FAZ 12.05.2026
10:31 Uhr

Hightech im Sport: Laufschuhe mit Risiken und Nebenwirkungen


Puma baut Laufschuhe mit Know-how aus der Formel 1. Doch nun wird aus der Hightech-Liaison ein Fall für Anwälte. Sprinterin Abby Steiner klagt auf Schadensersatz. Eine Glosse.

Hightech im Sport: Laufschuhe mit Risiken und Nebenwirkungen

Schuster, bleib bei deinen Leisten! So hieß es einmal. Aber das ist lange her. Heute kann sich das kein Schuster mehr leisten, jedenfalls nicht, wenn er Sportschuhe baut. Dann braucht er Computer, Superschaum, Carbonplatten, Spezialgeometrie. Er braucht ein Forschungslabor, Ingenieure. Puma beispielsweise zimmert seine Top-Schuhe schon lange nicht mehr mit einem Leisten zusammen. Die Dinger, die man damals Turnschuhe nannte und die werksseitig schon nach Schulsporthalle rochen, findet man nur noch im Museum. Wer sie anzog, konnte damit laufen, manche sogar schnell. Oder eben nicht. Heute arbeitet Puma nicht mehr mit einem Schuster, sondern mit einem Formel-1-Rennstall. Mit Mercedes-Benz Grand Prix. Dort seien die Superhirne zu Hause, sagt man, Ingenieure, die aus einem Auto eine Rakete machen. Die alles wissen über Aerodynamik, Biomechanik, Materialwissenschaft, Auftrieb, Abtrieb, Vortrieb. Kein Zweifel: Wenn man ihnen einen Turnschuh gibt, machen sie daraus einen Raketenschuh, wahrscheinlich noch vorm Frühstück. Damit stolpern und holpern auch Hobbyläufer voran So ein Geschoss verkauft sich gut, besonders, wenn Athleten der Spitzenklasse damit Weltmeister werden, Weltrekorde aufstellen. Die sündhaft teuren Carbonschuhe sind ein riesiges Geschäft geworden. Mit ihnen rasen nicht nur die schnellsten Menschen der Welt über Tartanbahnen und Asphalt, damit stolpern und holpern auch Hobbyläufer voran. Klack, klack, klack. Geld spielt keine Rolle. Auch nicht, dass die Hightech-Treter eine nur äußerst kurze Lebenserwartung haben. Wie ein Formel-1-Motor eben. Aber nun zum Thema. Abby Steiner ist Amerikanerin, Sprinterin. Sie ist zweimalige Weltmeisterin mit der Staffel, eine Frau also, deren Beruf im Wesentlichen daraus bestand, den eigenen Körper auf den ersten 100 oder 400 Metern so extrem wie möglich zu beschleunigen. Und der Schuh von Puma, von Mercedes, half ihr dabei. Es war eine schöne, eine erfolgreiche Liaison, die aber, wie man in der vergangenen Woche las, nun krachend zu Ende gegangen ist. Steiner hat Puma und das Formel-1-Team verklagt. Sie sagt: Die Schuhe seien fehlerhaft gewesen. Sie hätten ihre Fuß- und Sprunggelenksmechanik verändert, zusätzliche Belastungen erzeugt und Verletzungen ausgelöst. Puma habe die Schuhe als sicher vermarktet, nicht ausreichend gewarnt und geprüft. Und Mercedes sei dabei nicht bloß als hübscher Formel-1-Aufkleber beteiligt gewesen. Nun haben Anwälte das Wort. Ein Klage-Tsunami wird kommen Steiner klagt auf Schadenersatz. Und da stehen wir wohl erst am Anfang. Eine Klagewelle, was sage ich: ein Klage-Tsunami wird kommen. Bobfahrer werden klagen, weil sie in ihren Schlitten ohne Federung die Bahn hinunterbrettern müssen und sich der Rücken danach anfühlt wie ein alter Lattenrost. Tennisspieler werden ihre Schlägerlieferanten belangen, Stichwort Tennisarm. Skifahrer werden dem Richter vortragen, die Carvingski hätten sie von der Piste geworfen. Und was ist sonst noch zu erwarten, wenn nach dem Rückzug der Formel 1 aus der Sportschuhentwicklung die Raketenwissenschaft ins lukrative Geschäft einsteigt? Elon Musk hat bestimmt ein paar Ideen. So wird es nicht mehr allzu lange dauern bis zum vollautomatisierten, autonomen Laufen – bis zu Schuhen, die den Marathon locker in 1:45 Stunden rennen und die 100 Meter in 7,5 Sekunden, egal, wer sie trägt. Echte Laufschuhe sind das dann. Das wird ein Spaß. Zu möglichen Nebenwirkungen und Risiken fragen Sie Puma. Oder Ihren Arzt oder Apotheker.